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Heimweh

von Georg Peter Freudenberger

(Metz, Weihnachten 1870)

An des Spessarts Südostgrenze
gegen Wertheim an dem Main,
auf der Grafschafts höchstem Hügel
liegt ein Dörflein nett und klein.

Schön begrenzt von grünen Wiesen
schmiegt sichs an den Hügel hin,
o im Mai da ist`s erst herrlich
wenn die Bäume ringsum blühn.

In der Mitte dieses Dörfleins
ragt die schöne Kirch` empor,
eine hohe stolze Linde
wie ein Wächter steht davor.

Fern vom lauten Weltgetümmel
wahrlich es ist eine Pracht,
wenn zum blauen Morgenhimmel
seines Kirchturms Spitze ragt.

Michelrieth, so heißt das schöne
Dörfchen an dem grünen Wald,
und wie hebt sich dann das Herze
wenn der Glockenton erschallt.

Wenn ich an dies Dörfchen denke
wo einst meine Wiege stand,
dieses schönste Fleckchen Erde
Perle in dem Frankenland.

Dann erfasst mit seinen Armen
mich das Heimweh bittrer Schmerz,
möchte weinen zum Erbarmen
ach so weh tut mir das Herz.

Aber es ist Gottes Wille
dass ich sein muss in der Fern,
drum mein Herz gib dich zufrieden
und vertrau nur auf den Herrn.

Dörflein sei von mir gegrüßet
denn nur dir gilt stets mein Lied,
dass die Jugend mir versüßest
„Liebes teures Michelrieth“.


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